Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

   In my dreams~ FF-Videos


http://myblog.de/daelis

Gratis bloggen bei
myblog.de





24 Nights (Kapitel 23)

Dreiundzwanzigste Nacht: Abschied


Dein letzter Tag. Das war gestern Abend dein letzter Gedanke gewesen, wie es an diesem Morgen der erste war. Dein letzter Tag bei den Vampiren. Heute würdest du heimgehen. Deine Eltern würden dich abholen und du würdest in dein Leben zurückkehren, als wäre nie etwas gewesen, als hättest du niemals von der Existenz von Vampiren erfahren, als wären die letzten Wochen nichts weiter gewesen als ein übler Traum, aus dem du nun erwachtest.

Aber war er denn wirklich so übel? Ja, ja natürlich, wolltest du dir einreden. Natürlich war es übel gewesen. Du warst als lebende Blutkonserve gehalten worden, beleidigt, misshandelt und gebissen. Daran war doch nun wirklich nichts Gutes und du warst doch keines dieser dusseligen Mädchen, die sich von einem Kerl misshandeln ließen und es mit Liebe verwechselten. Nein! So eine wolltest du nicht sein. Doch, dass dich die Vampire, in denen du längst mehr sahst als nur beißende Ungeheuer, nicht kalt ließen, konntest du wohl kaum leugnen. Sie hatten alle auch ihre liebenswerten Seiten, die dich nur umso mehr wundern ließen, wie sie so wurden, wie sie waren. Erfahren würdest du das wohl kaum.


Diesen Gedanken abstreifend, strecktest du dich und sahst dich nach deinen heutigen Beschützern um. Du warst allein. Keiner der Vampire war hier. Verwundert sahst du dich erneut um und richtetest dich auf, doch es änderte nichts. Du warst tatsächlich allein. Kein Aufpasser, kein Beschützer an deiner Seite. Offenbar waren sie der Ansicht, dass du für diesen letzten Tag keinen Schutz brauchtest, dass Ayato keine große Gefahr mehr darstellte und auch Laito und Kanato sich benehmen würden. Zwar warst du der gleichen Meinung und natürlich war es schön, nicht mehr überwacht zu werden, dennoch ließ es dich im ersten Moment ein wenig erschaudern und unsicher fühlen, auch wenn du dich dieses Gefühls schämtest.

Dein ganzes Leben hattest du ohne vampirischen Beschützer gelebt, da war es doch nun auch kein Problem. Abgesehen davon war es ja nun wirklich nicht so, als hätte einer dieser Beschützer jemals eingreifen müssen. Subaru hatte es zwar gestern in besten Willen getan, doch nötig gewesen war es eigentlich nicht, denn Ayato hatte dich ja gar nicht gebissen oder beißen wollen – davon gingst du zumindest aus.


Während du dich anzogst, wanderte dein Blick dennoch immer wieder im Raum herum, als erwartetest du, dass jeden Augenblick einer der Vampire hier auftauchte, um dich zu überraschen oder auch nur, um zu sehen, ob du wach warst oder dir Frühstück zu bringen. Doch niemand kam und so fandest du schließlich von ganz allein deinen Weg hinab in die Küche, in der Yuma und Azusa gerade mit Kous Hilfe den Tisch deckten, wobei Kous Hilfe wohl kaum einen Unterschied machte, denn eigentlich stand er bloß zwischen seinen beiden Brüdern und redete auf diese ein, anstatt ihnen wirklich zur Hand zu gehen.

Ruki saß bereits am Küchentisch, der für alle Mukamis, Sakamakis und dich gemeinsam eindeutig zu klein war, und las Zeitung. Als du eintratest, sah er dich durchdringend an, eine ganze Weile lang, ehe er dir einen „Guten Morgen“ wünschte und damit auch seine drei Brüder auf dich aufmerksam machte, die dir ebenfalls einen guten Morgen wünschten und zumindest bei Kou war unübersehbar, dass dieser wirklich einen guten Morgen hatte. Er strahlte förmlich und schien bestens gelaunt. Eigentlich wie immer.


Yo, Chichinashi, mach mal Platz“, machte sich nun auch Ayato hinter dir bemerkbar und schob dich in die Küche hinein, um selbst einzutreten. Nun hob Yuma vielsagend eine Augenbraue und verschränkte die Arme. Einen Moment lang lieferten der Riese und der Egomane sich ein Blickduell, doch ehe einer von beiden etwas sagen konnte, ergriff Ruki das Wort. „Dann decken wir besser drüben. Ungewöhnlich mal einen von euch beim Frühstück anzutreffen.“

Sein Blick spießte Ayato nahezu auf und in diesem Augenblick hättest du mit auch nicht tauschen wollen. Yumas Blick mochte unfreundlich gewesen sein, doch Ruki hatte die Fähigkeit, einen anzublicken, dass man sich nackt und ungeschützt fühlte. Ayato allerdings nahm es gelassen und schnaubte nur leise, ehe er demonstrativ die ersten Sachen vom Küchentisch nahm und damit durch die Tür verschwand.

Wenn er sich nützlich machte, dann konntest du das auch. Sofort tratest du an den Schrank heran, in dem die Brettchen und Gläser standen und griffst dir von beidem so viel du tragen konntest, ehe du Ayato folgtest.


In Speisezimmer trafst du denn auch Kanato und Shu an – wobei letzterer tat, was er immer tat und einfach nur auf der schmalen Bank lag, die am Rand stand. Etwas Anderes hättest du von ihm auch gar nicht erwartet. Es war immerhin Shu und Shu tat nun einmal, was er tat oder vielmehr nicht tat. Dass ihm das nicht langsam langweilig wurde. Du an seiner Stelle würdest dich tödlich langweilen.

Kanato saß bereits am Tisch und hatte, was dich auch schon nicht mehr verwunderte, nach dem was du so bisher mit ihm erlebt hattest, seinem Teddy einen eigenen Stuhl reserviert, direkt neben sich. Auffordernd sah er in deine Richtung und sprach dich ohne Begrüßung oder Morgengruß mit deinem Namen an. „Sitzt du heute neben mir?“, wollte er wissen und lächelte sogar ein wenig. Zwar war dir klar, dass du natürlich ablehnen könntest, doch das wiederum könnte auch die Laune des Lilahaarigen schnell kippen lassen und das wiederum... wolltest du lieber nicht. Abgesehen davon störte es dich nicht sonderlich, neben ihm zu sitzen. Warum denn auch nicht?

Also nicktest du Kanato nur zu. „Natürlich, sehr gerne. Ich helfe nur schnell noch mit den Tisch zu decken“, meintest du in seine Richtung gewandt. Ayato schien der Meinung zu sein, er habe genug getan, denn er zog sich bereits einen Stuhl zurück. Mittlerweile waren auch die Mukamis dazugestoßen und brachten den Rest der Frühstücksspeisen mit, sodass du keinen Grund mehr hattest, in die Küche zurückzukehren. Mit einem Lächeln nahmst du neben Kanato Platz, der dir ein zufriedenes Lächeln schenkte – beinahe so zufrieden wie Azusa und Kou, obwohl der Blonde eher strahlte als lächelte.


Schnell stellten sich die ersten Gespräche ein. Azusa berichtete von einer neuen Klinge mit wunderschönem Griff, die er bei eBay gesehen hatte, Kou erzählte davon, wie ulkig Yuma aussah, wenn er im Dreck bei seinen 'Blümchen', wie Kou sie nannten, hockte. Yuma brummte daraufhin nur, seine 'Blümchen' würden immerhin etwas zu Essen auf den Tisch bringen, doch Kou tat dies mit einem Lachen ab, während Mutti Ruki einfach nur lauschte. Die Zeitung hatte er nämlich nicht mitgebracht.

Eigentlich, überlegtest du gerade amüsiert, fehlte nur noch Papi Reiji, dann wären sie wirklich wie eine Familie, aber eigentlich waren die Mukamis es auch so – ohne Eltern, wenn man Ruki nicht als Ersatz für beide Elternteile sehen wollte. Sie gingen wirklich liebevoll miteinander um. Ganz anders als die Sakamakis. Dabei täte das besonders Kanato sicher gut.

Dein Blick wanderte zu dem Lilahaarigen hinüber, der gerade dick Nutella auf sein Knäckebrot schmierte und dann hinein biss. Meine Güte, der musste Süßes aber wirklich sehr lieben! Du grinstest ein wenig in dich hinein. Irgendwie war das schon niedlich.


Du wirst doch nicht wirklich gehen, oder?“, riss dich Kanatos Frage ganz aus deinen Gedanken und du stutztest. „Doch, ich werde heute nach Hause fahren, Kanato.“ Sofort wandelte sich sein Gesichtsausdruck. Doch nicht zu wütend, sondern zu traurig und er ließ sein Brot einfach auf das Brettchen fallen. „Ich mag das nicht“, meinte er dann und schniefte sogar. „Ich mag das nicht und Teddy auch nicht.“

Sofort tat es dir Leid, es ihm nicht schonender beigebracht zu haben. Kanato klang wahrlich so, als würde er jeden Augenblick losweinen. „Aber wir können uns schreiben und telefonieren“, fügtest du eilig hinzu, um ihn zumindest ein wenig aufzumuntern, doch es half nicht. Noch immer sah er dich mit aufgerissenen, sogar tränenfeuchten Augen an. „Bitte bleib.“ Jetzt tat es dir erst recht richtig Leid, ihm zu sagen, dass du definitiv gehen würdest. „Sei nicht traurig, Kanato. Wir sehen uns bestimmt wieder“, versprachst du und wusstest doch selbst, dass es im Grunde nichts weiter war als eine leere Floskel. Etwas, das man sagte, aber eigentlich gar nicht so meinte und niemals wahr machen würde. Doch zumindest schien es Kanato tatsächlich ein wenig zu trösten, denn er nickte tapfer und griff wieder nach seinem Brot.


Als du aufsahst, konntest du sehen, dass Shu in deine Richtung sah, beinahe wachsam und du ahntest, dass er in Betracht gezogen hatte, dass Kanato einen seiner Ausbrüche haben könnte und es damit definitiv nötig gewesen wäre, einzugreifen, damit er dich nicht versehentlich tötete. Apropos tötete... Es war noch gar nicht lange her, da warst du dir ziemlich sicher gewesen, jeder Tag könnte dein letzter sein, doch innerhalb der letzten Woche hatte sich ein seltsames Gleichgewicht zwischen euch, den Vampiren und dir, eingependelt, dass dich schon fast ein Gefühl von Zuhause für diesen Ort und seine schrägen Bewohner entwickeln ließ. Seltsam, wenn du so darüber nachdachtest. Sogar ziemlich seltsam. Allein schon, weil sie dir alle so ans Herz gewachsen waren. Der Gedanke ließ dich lächeln, während du aufaßest.

Nach dem Frühstück, entschiedst du, dass es Zeit würde, deine Sachen zusammenzupacken und alles vorzubereiten, damit du abreisefertig warst, wenn deine Eltern am frühen Abend eintrafen, um dich abzuholen. „Ich werde dann mal packen“, gabst du kund und erntetest einen trüben Blick von Azusa, der nun ebenso unglücklich aussah wie eben noch Kanato, der auch jetzt kaum zufriedener wirkte.

So Leid es dir auch tat, da mussten sie durch. Wenn du daran dachtest, was sonst mit ihren Opfern geschah, fiel es dir allerdings schon schwer, nachzuvollziehen, weshalb Kanato nun so ein Drama darum machte. Hatte er für eines dieser toten Mädchen in seinem Keller je eine Träne vergossen? Vermutlich nicht. Oder zumindest hattest du so deine Zweifel daran.


Nachdem du deine Klamotten wieder alle in deinem Koffer verstaut hattest – abzüglich eines Shirts, auf dem so viele Blutflecken an Halsbereich waren, dass du es deine Familie unmöglich sehen lassen konntest – wandtest du dich den zehn kleinen Päckchen zu, die du fein säuberlich mit kleinen Kärtchen versehen hattest, auf denen die Namen der Vampire standen. Ob es ihnen gefallen würde? War es vielleicht zu kitschig? Würden sie sich in einer Woche, einem Monat, einem Jahr überhaupt noch an dich erinnern?

Du warst ja bei weitem nicht ihr erstes Opfer, höchstens das erste, das überlebte. Wobei das weniger dein Verdienst war, als vielmehr Karl-Heinz', denn dieser hatte schließlich festgelegt, dass du nicht sterben durftest, auch wenn dir nicht klar war, wieso. Dass ihn zwischenmenschliche Beziehungen interessierten mochte anfangs deine Theorie gewesen sein, doch angesichts des Umstandes, dass er sich nicht ein einziges Mal hier hatte blicken lassen und offenbar auch niemand erwartete, ihn zu Weihnachten hier zu sehen, war er wohl kaum der Typ, der auf solche Dinge viel Wert legte.

Seufzend griffst du die Päckchen und gingst mit diesen ins Wohnzimmer, wo wie immer ein Feuer im Kamin brannte und alles angenehmer erwärmte.

Alle sahen auf und folgten dir mit ihren Blicken, als du an den Weihnachtsbaum tratest, unter dem schon einige Päckchen lagen, und legtest deine ordentlich dazu, damit sie am Heiligabend auch geöffnet werden konnten. Nun tat es dir schon ein wenig Leid, dass du ihre Gesichter nicht sehen würdest, wenn sie sie öffneten.


Leider verging auch der Rest des Tages schnell. Leider. Dass du das auch nur dachtest. Gestern noch hattest du diesem Zeitpunkt entgegen gefiebert und nun wolltest du doch glatt hier bleiben – noch ein wenig zumindest und diese verrückten, schrulligen und doch irgendwie liebenswerten Vampire besser kennen zu lernen. Alles in allem war dieser Tag allerdings wirklich anders als die letzten. Keiner verlangte nach deinem Blut und niemand bewachte dich vor Übergriffen. Als wäre schon jetzt alles vorbei, obwohl sich der Abend erst begann zu neigen, obwohl es eben erst dunkel wurde.

Du sahst nachdenklich gen Standuhr, die im Wohnzimmer stand und mit enervierender Gleichmäßigkeit tickte und die Sekunden verriet, die verstrichen, ob sie nun langsam oder schnell erschienen. Dir erschienen sie schnell und doch quälend langsam, wann immer du auf die Uhr sahst.


Schließlich war es Laito, der sich neben dir aufs Sofa fallen ließ. „Also verlässt du uns bald, mh, Prinzessin, nfu~?“ Du nicktest. „Ja.“ „Mhm...“ Er seufzte leise und legte einen Arm um dich, ganz locker nur, doch dir trieb es dennoch ein wenig die Schamesröte ins Gesicht, obwohl du dir dabei schon selbst dumm vorkamst. Es war immerhin nur eine lockere Umarmung, mehr nicht. „Wir werden dich hier ziemlich vermissen“, meinte der Rothaarige nachdenklich und rutschte etwas näher an dich heran. „Ich besonders, nfu nfu~“, fügte er dann flüsternd hinzu und jagte dir einen wohligen Schauer über den Rücken.

Ich werde euch auch vermissen“, gabst du zurück und zu, sowohl ihnen als auch dir selbst gegenüber. Du würdest sie vermissen. Sie alle. Einige mehr, andere weniger, aber sie waren dir wirklich ans Herz gewachsen. Laito neigte sich dir zu und hauchte einen Kuss auf deine Stirn.

Damit fiel auch dein Entschluss. „Heute... sollst du noch ein letztes Mal mein Blut bekommen“, wandtest du dich an den Vampir neben dir, der tatsächlich ein wenig überrascht wirkte. „Und...“, begannst du erneut, ehe er etwas sagen konnte, „vielen Dank noch einmal für die Kette. Sie ist wirklich wunderschön und ich werde sie immer in Ehren halten.“


Sein Biss fiel schon fast zärtlich aus. Er hatte die Arme um dich gelegt und deinen Kopf an seine Schulter gezogen, ehe er deine Schulter entblößte und diese erst mit federleichten Küssen bedeckte, ehe er zubiss. Es tat sogar kaum weh, nur ein wenig und so warst du dir ganz sicher, dass er sich darum bemühte, dir keinen Schmerz zuzufügen, wofür du überaus dankbar warst.

Während der ganzen Zeit, die er von dir trank – und du hättest nicht sagen können ob es Sekunden oder Minuten waren, die vergingen – hielt dich Laito sanft in seinen Armen und wiegte dich zärtlich.

Es war schön. Fast zu schön, um wahr zu sein. Fast sogar ein wenig, wie in diesen kitschigen Büchern, die einige deiner Mitschülerinnen gern lasen. Nicht wie die ersten Male als du attackiert wurdest. Das hier, das war etwas Anderes, das wusstest du einfach. Es war kein Vampir, der ein Opfer anfiel, es war mehr eine Art Kuss? Kuss schien dir nicht ganz das richtige Wort, doch es kam der Sache immerhin irgendwie nahe. Und für Laito war es ohne jede Frage durchaus angenehm, denn er seufzte wohlig und zufrieden, als er von dir abließ.


Kein Wunder, dass es dir leid tat, dass just in diesem Moment die Türglocke das Kommen deiner Eltern ankündigte, die wie versprochen gekommen waren, um dich abzuholen, damit ihr Heiligabend gemeinsam feiern konntet. Und so sehr du diesen Moment herbeigesehnt hattest, so sehr wünschtest du jetzt, dir bliebe noch ein wenig Zeit, um sie vor allem mit Laito zu verbringen, aber auch mit den Anderen.

Doch diese Zeit... war nun vorbei. Ein für alle mal, denn zurückkehren, das wusstest du ziemlich sicher, würdest du wohl kaum und sie sicherlich auch nicht. Sonst würdest du nur tiefer in diese Vampirsache hinein rutschten und das wolltest du nicht. Das war eine andere Welt und keine, die für Menschen geeignet war, um dort ihr Glück zu finden. Du gehörtest da nicht hinein und es war Zeit, in deine eigene Welt, in dein eigenes Leben zurückzukehren.


17.2.16 09:42


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung