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24 Nights (Kapitel 20)

Zwanzigste Nacht: Krank


Wenn du schon geglaubt hattest, der gestrige Tag hätte übel begonnen, dann hattest du mit diesem nicht gerechnet.

Du fühltest dich grauenhaft. Deine Nase lief, dein Schädel brummte, dir war kalt und in Wellen heiß und als wäre das alles nicht genug, hattest du auch noch tierische Kopfschmerzen. Hätte man dir angeboten für eine Wärmflasche, einen heißen Tee und ein Hustenbonbon zu morden – du hättest es getan. Normalerweise wurdest du nicht schnell krank und schon gar nicht so arg, doch dieses Mal hatte es dich so richtig erwischt und dies weckte in dir eine gewisse Wehleidigkeit, die du nicht leugnen konntest und wolltest – dafür warst du ohnehin viel zu mies gelaunt.

Die Bettdecke fest bis zur Nasenspitze hoch gezogen hattest du es immerhin angenehm warm – oder solltest es haben, denn dennoch fröstelte es dich unter der kuscheligen Winterdecke. Meistens zumindest. Wieder überlief dich ein Hitzeschauer und am liebsten hättest du die Füße einfach unter der Decke hergeschoben und zum Abkühlen aus dem Bett hängen lassen, doch du ahntest schon, dass die Kälte bald zurückkehren dich das bereuen lassen würde.


Solltest du nicht irgendwelche Bewacher haben? Vielleicht könnten die sich ja bequemen, dir einen Tee und die ersehnte Wärmflasche aufzutreiben. Suchend wanderte dein Blick umher und fiel schnell auf Reiji, der an dem kleinen Tischchen am Fenster saß, vor sich tatsächlich eine Tasse dampfenden Tees. Unangenehme Erinnerungen kamen in dir hoch. An deine letzte Tasse Tee von und mit diesem Vampir konntest du dich ziemlich gut erinnern und eine Wiederholung musste deiner Meinung nach nicht sein. Tee: Gerne, aber nicht von ihm. Immerhin wusste man nicht, was er da wieder hineinmischte und noch einmal wolltest du nicht sein Versuchskaninchen spielen.

Wenn Reiji von den Sakamakis hier war, wer war dann für die Mukamis hier? Dein Blick ging suchend umher, doch so zerschlagen wie du dich fühltest, war auch deine Sicht. Irgendwie ein wenig verwischt. Es fiel dir ohnehin schwer, dich auf irgendetwas zu konzentrieren, doch dann erkanntest du Ruki, der sich über dich beugte und eine Hand auf deine Stirn legte. Er sah besorgt drein – sofern man das bei seiner stoischen Miene sagen konnte.


Du hast Fieber“, teilte er dir nach einigen Sekunden mit und du hattest nicht übel Lust ihn für diese Worte zu ohrfeigen. Was er nicht sagte. No Shit, Sherlock? Das hättest du ihm auch sagen können! Was für ein Genie!

Ein wenig ärgertest du dich selbst über deine unfreundlichen Gedanken. Ruki hatte dir ja nichts getan. Er war so gesehen einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Krank wurdest du nun einmal unausstehlich und unfair. Man könnte sagen, es war, als hättest du deine Tage. Man ging dir besser aus dem Weg und nervte dich nicht, denn egal, was man sagte oder tat, es kam hundertfach und oft ungerechtfertigt zurück. Meistens tat es dir schon kurz darauf Leid, doch spätestens dann, wenn es dir wieder besser ging.

Seufzend nicktest du und wandtest dich ganz bewusst an Ruki, nicht an Reiji, als du batest: „Könnte ich einen Tee bekommen? Und vielleicht eine Wärmflasche?“ Der Vampir nickte und legte dir noch einmal die kalte Hand an die Stirn, was dir ein erleichtertes Seufzen abrang. Es tat einfach gut, diese Kühle an deiner erhitzten Haut zu spüren. Bisher war es dir gar nicht so aufgefallen, aber waren Vampire im generellen mit kalter Haut gesegnet oder kam es dir nur in diesem Augenblick so vor? Danach könntest du ja später auch mal fragen, nahmst du dir vor, doch jetzt war es nicht so wichtig.


Die Erleichterung währte jedoch nicht lange. Ruki zog seine Hand weg und nickte über dich hinweg zu Reiji, der wohl aufstand, denn du konntest den Stuhl über den Boden kratzen hören. Dann war es still. Ruki verschwand aus deinem Sichtfeld und kurz darauf konntest du hören, wie die Tür zufiel.

Du schlosst die Augen. Bestimmt kämen die beiden stoischen Vampire, die du in Gedanken Mutti Ruki und Papi Reiji nanntest, wieder. Die beiden waren wirklich wie die Eltern ihrer Brüder, doch das solltest du ihnen wohl besser nicht sagen, auch wenn es ihre eigenen Brüder bestimmt ähnlich sahen.

Als du die Augen öffnetest – es konnten nur Sekunden vergangen sein – saß Laito vor dir. Auf seinen Zügen lag ein für ihn wirklich ungewohnter Ausdruck. „Du bist also wirklich krank, Bitch-chan, nfu nfu~“, meinte er und legte nun auch prüfend seine Hand auf deine Stirn. Sie war kühl, aber nicht so kalt wie eben die Rukis. Dann war es wohl doch nur Zufall und keine vampirische Eigenheit gewesen.


Anstatt ihm zu antworten, sahst du Laito nur gerade heraus an. Er erwiderte deinen Blick für einige Sekunden, doch dann sah er auf und griff neben sich. Wohin genau, konntest du im Liegen nicht sehen, aber schließlich hielt er dir die Kette mit dem Muschelanhänger vor die Nase, den er dir gestern gekauft hatte. Wie auf ein unsichtbares Stichwort hin, richtetest du dich auf und ließt zu, dass dir der rothaarige Vampir dir Haare beiseite schob und damit deinen Hals freilegte, um den er die Kette legte, die er mit einem Schmunzeln in deinem Nacken verschloss.

Ein Lächeln legte sie auf deine Züge, als deine Fingerspitzen zu dem kühlen Metall wanderten, das selbst im matten Licht des Raumes wunderschön glänzte. „Danke no-“ Weiter kamst du nicht, denn Laito legte dir einen Zeigefinger auf die Lippen, was dich verstummen ließ. „Es war eine Entschuldigung, schon vergessen, Prinzessin?“, hauchte er und es dauerte einen Augenblick, bis dir dämmerte, dass er zwar vorhin erst wieder 'Bitch-chan', jetzt aber wieder 'Prinzessin' gesagt hatte. Ein Rotschimmer legte sich auf deine Wangen und du senktest den Blick auf den Muschelanhänger. Als du wieder aufsahst, um etwas zu erwidern, war Laito fort. Kein Geräusch hatte ihn verraten, kein Anzeichen. Er war einfach weg.


Noch während du versuchtest, dich nicht darüber zu wundern, denn bestimmt hatte er sich teleportiert – das konnten sie doch, nicht wahr? - da öffnete sich schon deine Zimmertür. Das Geräusch ließ dich förmlich aufspringen, hattest du doch Reiji und Ruki beinahe vergessen, die ja Tee holen gegangen waren.

Bei Tee war es allerdings nicht geblieben. Abgesehen von einer Teekanne und einer Tasse standen auf Rukis Tablett noch ein Teller mit Frühstück, auf das du eigentlich gar keinen Hunger hattest und ein Glas Orangensaft. Du konntest sogar eine ominöse weiße Schachtel mit roten Linien ausmachen, die verdächtig nach Medikament aussah und von der sich herausstellte, dass sie Tabletten gegen Fieber und Erkältung enthielt.


Eine Wärmflasche hatten die beiden dir allerdings nicht mitgebracht. Oder zumindest konntest du keine sehen, doch Reiji schob etwas unter die Decke – unter deine Füße, das wohl ein Körnerkissen oder Kirschkernkissen sein musste, denn es gab ein raschelndes Geräusch, und du konntest warmes Tuch unter deinen bloßen Füßen spüren. Dankbar sahst du in Reijis Richtung, der sich nur ohne die geringste Regung zu zeigen, die Brille zurecht schob.

Wortlos trankst du eine Tasse Tee, ließest aber Croissant und Brot liegen. Dir kratzte der Hals viel zu sehr dafür. Außerdem hattest du auch gar keinen Appetit und so blieb das Frühstück unangetastet. Weder Ruki noch Reiji sagten etwas zu. Sie waren eben beide nicht gerade gesprächig und im Moment war dir das nur recht. Du hattest auch keine Lust zu reden und ohnehin schmerzte dein Hals, als hättest du Schleifpapier gelutscht.


Erst hattest du gedacht, du könntest niemals einschlafen, solange zwei Leute bei dir im Raum waren, erst recht nicht, wenn es zwei Jungs waren und noch dazu Vampire, doch am Ende siegten die Krankheit und die mit dieser einhergehenden Müdigkeit. Du schliefst ein und prompt bis in den Mittag.

Da du das Frühstück verschmäht und nur eine Tasse Tee getrunken hattest, knurrte dir nun allerdings der Magen und weckte dich schlussendlich auch. Ruki saß auf einem Stuhl neben dir und sah dich an. Er war das Erste, was du sahst, als du die Augen aufschlugst und irgendwie war es seltsam zu wissen, dass er wer weiß wie lange schon dort saß und dich anstarrte, während du schliefst. Ruki schien sich darüber keine Gedanken zu machen und wenn doch, dann sah man sie ihm nicht an, denn er wirkte wie die Ruhe selbst.

Du sahst über die Schulter und konntest auch Reiji ausmachen, der am Fenster saß und ein Buch las. Wie immer. Es war schon beinahe beunruhigend, wie still diese beiden Vampire waren. Und gemeinsam schienen sie nur noch schweigsamer. Der Einzige, der ihnen da Konkurrenz machte und machen konnte, war Shu – der schlief ja meistens.

Die Suppe ist noch heiß“, meinte Reiji ganz unvermittelt und erschreckte dich damit sogar ein wenig. „Sie steht neben dir.“ Er sah nicht auf, doch es stand völlig außer Frage, wem seine Worte galten. Du nicktest, obwohl das eigentlich Unfug war, denn er sah es ja doch nicht, und sahst zum Nachttisch, auf dem tatsächlich eine Speiseglocke stand, unter der du eine Schüssel Suppe fandest, die wirklich noch sehr heiß war. Sie konnte noch nicht lange hier stehen. Daneben lag eine kleine weiße Tablette, noch verpackt in ein undurchsichtiges Blister.


Nachdem du deine Suppe tatsächlich geleert und sogar zwei Tassen Tee getrunken hattest, fühltest du dich schon selbst wie eine Wärmflasche. Rund, prall gefüllt und gluckernd. Und warm. Zumindest letzteres war auf jedem Fall angenehm, doch beim Rest warst du dir da nicht so sicher. Es spielte wohl aber keine Rolle, denn nun war es ja zu spät. Du griffst nach der Decke und rolltest dich in die Decke ein.

Irgendjemand – vermutlich Ruki oder Reiji – hatte vor nicht allzu langer Zeit wohl das Körnerkissen erneuert, denn es fühlte sich angenehm warm an unter deinen Füßen und ließ dich zufrieden aufseufzen. Du konntest dich nicht erinnern, jemals so umsorgt worden zu sein, wenn du krank warst. Beinahe vergingen dir sogar bissige Gedanken und unfreundliche Überlegungen. Selbst deine Eltern hatten sich nicht so gekümmert – und ja auch gar keine Zeit dafür gehabt. In der Regel hatten sie dir morgens vielleicht Tee und Wärmflasche gebracht, aber den Rest des Tages hattest du dich dann selbst versorgt – was ja an sich auch kein Problem war. Doch heute fandest du es angenehm, dich pflegen zu lassen.


Es war beinahe ein wenig wie früher, als du klein warst und deine Oma noch lebte. Sie hatte im Hause gewohnt und an deinem Bett gesessen, wie Ruki jetzt, wenn du krank warst. Deine Erinnerungen waren etwas verschwommen daran, denn es war schon lange her, doch du hattest deine Oma sehr lieb gehabt. Sie war gestorben, als du 13 warst. An die Beerdigung konntest du dich fast gar nicht erinnern, doch dafür umso besser daran, dass sie dir immer vorgelesen hatte. Ganz unterschiedliche Dinge. Märchen und Geschichten, manchmal traurige, manchmal witzige, manchmal ganz alte und manchmal neue aus deinen eigenen Büchern.

Bei dem Gedanken an deine Oma musstest du lächeln und dein Blick fiel auf Reiji, der gerade in seinem Buch die Seite umschlug. Vielleicht...? Ja, du könntest ja einfach mal fragen. Was hattest du schon zu verlieren?

Reiji?“ „Mh?“ „Würdest du mir vielleicht etwas vorlesen?“ Verwundert sah der Vampir auf und schob seine Brille das Nasenbein hoch. „Dir etwas vorlesen?“ Du nicktest. „Ja, aus deinem Buch. Mir ist egal, was es ist.“ Und wenn es ein Kochbuch wäre! Allein die beruhigende Wirkung des Vorlesens war dir schon genug und da wäre dir der Inhalt beinahe egal. Bestimmt las er da ja nichts Ekelhaftes wie ein Buch über Folter oder so.


Eine ganze Weile blieb es still und weder du noch Reiji sagten ein Wort. Ruki sowieso nicht, der schweigend in deinem Rücken saß und dessen stechenden Blick du in deinem Nacken spüren konntest. Reiji seufzte. „Meinetwegen.“ Du hattest schon gar nicht mehr mit einer Antwort gerechnet, doch nun, da sie kam, lächeltest du. „Danke.“ Vielleicht hattest du dich in Reiji ja sogar ein wenig geirrt. Vielleicht war er ja doch ganz nett. Vielleicht sollte er dafür heute Abend dein Blut bekommen, überlegtest du und obwohl du dir sagtest, dass das ja noch nicht fest stand, hattest du dich in deinem tiefsten Inneren längst entschieden. Selten hatte hier jemand aus reiner Nächstenliebe etwas für dich getan und das hier, das war eines dieser Dinge und du warst dankbar dafür.

Mit ruhiger gleichmäßiger Stimme begann Reiji zu lesen und schnell wurde dir klar, dass er offenbar Gedichte las – auch wenn du keine Ahnung hattest, wer dieses geschrieben hatte. Du kanntest dich damit nicht aus.


Uns gaben die Götter

Auf Erden Elysium!

Wie du das Erstemal

Liebahnend dem Fremdling

Entgegentratst

Und deine Hand ihm reichtest,

Fühlt' er alles voraus,

Was ihm für Seligkeit

Entgegen keimte!“


Reijis Stimme betonte jede Stelle absolut perfekt und es jagte dir einen Schauer über den Rücken, als du erkanntest, dass es sogar ein Liebesgedicht war, dass er dir hier vorlas. Nicht nur, dass du nicht erwartet hättest, dass er solch kitschige Dinge las, war es das erste Mal, dass Jemand dir etwas in dieser Art und Weise vorlas – geschweige denn, dass dir jemand so etwas schon einmal um deinetwillen gesagt hätte.

Die nächste Strophe hattest du sogar schon fast verpasst, so sehr hatte die erste dich in deine eigenen Gedanken verstrickt und dich so gesehen verzaubert.


Uns gaben die Götter

Auf Erden Elysium!

Wie durch heilige Thäler wir

Händ' in Hände wandelten.

Uns des Fremdlings Treu

Sich euch versiegelte,

Daß du dem Liebenden,

Stille Sehnenden,

Die Wange reichtest

Zum himmlischen Kuß!“


Obwohl dir klar war, das diese Worte ja nicht wirklich dir galten, kroch verräterische Röte in deine Wangen und erhitzte diese. Was für ein schönes Gedicht! Von dem es wohl war? Es klang recht altmodisch, vielleicht war der Autor ja einer der sehr bekannten Dichter wie Schiller oder Goethe?

Die Strophen trugen dich davon mit jedem Wort, jedem Klang. Das ganze Gedicht verzauberte dich und als Reiji mit den Worten

Mir gaben die Götter

Auf Erden Elysium!

Ach, warum nur Elysium“

endete, tat es dir Leid, dass das Gedicht schon vorbei war. Dankbar lächeltest du den Vampir an, der umblätterte und offenbar kurz das nächste Gedicht studierte, ehe er es dir vorlas. Doch davon hörtest du kaum etwas. Deine Gedanken waren noch bei dem Liebesgedicht, als du schließlich einschliefst.


[Anm. d. Autorin: Das Gedicht ist von J. W. Goethe und heißt „Elysium“, dessen originale Rechtschreibung ich übernahm.]


Erst am Abend erwachtest du und fühltest dich schon ein gutes Stück besser. Zwar noch nicht wieder gesund, aber immerhin wieder etwas besser. Reiji und Ruki saßen noch immer an ihren Plätzen und als du ihnen sagtest, dass heute Reiji den Blut bekommen sollte, sagte Ruki kein Wort. Reiji nickte lediglich und lächelte tatsächlich ein wenig – allerdings nicht auf eine Weise, die dir gefiel. Doch um es dir anders zu überlegen, war es zu spät. Er saß im Nu auf der Bettkante und nahm deine Hand, um deinen Arm hoch zu ziehen und in diesen zu beißen.


17.2.16 09:41
 
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