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24 Nights (Kapitel 21)

Einundzwanzigste Nacht: Träume


Du warst früh eingeschlafen und doch wachtest du spät auf. Das war jedoch nicht das einzig Ungewöhnliche an diesem Morgen. Eigentlich eher Mittag, denn es war schon fast 12:00 Uhr. Normalerweise weckte dich dein Wecker, doch heute war es ihm nicht gelungen. Ein Blick auf dein Handy verriet dir allerdings, dass er durchaus gepiepst hatte – mehrfach. Gehört hattest du davon rein gar nichts.

Davon allerdings abgesehen, gab es etwas ganze Anderes, dass dich vielmehr verwunderte und beunruhigte. Du hattest geträumt – was ja durchaus normal war – und konntest dich – das war weniger üblich – an jedes Detail dieses Traumes erinnern, als wäre es wahrlich geschehen und nicht nur ein Produkt deiner eigenen Fantasie gewesen.


Noch immer raste dein Puls und dein Herz schlug in einem schnellen Takt, als hättest du versucht, einen Marathon zu laufen, obwohl du lediglich in deinem Bett gelegen hattest. Zumindest deines Wissens nach. Dennoch brauchtest du eine ganze Weile, bis du dich weit genug beruhigt hattest, um dich umzusehen und dich gleichzeitig daran zu erinnern, dass hier ja irgendwo auch zwei Vampire herumlungern mussten.

Und das taten sie. Allerdings nicht gerade in einer Kombination, die du erwartet hättest. Als du Azusa erkanntest, schenktest du diesem ein freundliches Lächeln, das er sogleich erwiderte. Er saß auf dem Platz, den gestern Reiji eingenommen hatte und hatte bis eben wohl in dem Buch geblättert, das vor ihm lag, sodass du dich instinktiv fragtest, ob es das gleiche war, das der Vampir mit der Brille gestern gelesen hatte. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Dann jedoch sahst du, welcher Sakamaki heute hier war und konntest es kaum glauben. Ausgerechnet er. Ayato. Seine grünen Augen starrten dich ganz unverwandt an. Ayato. Wieso ausgerechnet Ayato. Wieso durfte der überhaupt hier sein? Du hättest glatt angenommen, dass man ihm verbieten würde, selbst eine Schicht als Beschützer zu übernehmen – immerhin war er ja derjenige, vor dem man dich am allermeisten beschützen müsste! Was dachten sich die Anderen nur dabei?!


Deine Überraschung sah man dir wohl deutlich an, denn Ayato grinste dich schief an. „Was starrst du so, Chichinashi?“ Empört brummtest du, als du deinen ungeliebten Spitznamen hörtest. „Hatte nicht damit gerechnet, dass man dich hierher lassen würde.“ Eure Blicke trafen sich und keiner von euch sagte ein Wort. Es erinnerte dich höchst unangenehm an vergangene Nacht. Am liebsten hättest du den Kopf geschüttelt, um die Erinnerungen daran abzuschütteln, doch das hätte vermutlich auch nichts gebracht. Zu deutlich hatten sich die Bilder in deinen Verstand eingeprägt, zu intensiv war das ganze Traumerlebnis gewesen. Es ließ dich einfach nicht los.


He, hörst du mir zu?!“, keifte dich Ayato an und riss dich aus deinen Gedanken. Natürlich hattest du nicht zugehört. Du hattest keine Ahnung, was er erben gesagt hatte und eigentlich war es dir auch ziemlich egal, wenn du ehrlich warst. „Willst du frühstücken, Chichinashi?“, wiederholte der rothaarige Vampir gereizt, ehe du von hinter dir Azusas ruhige Stimme hörtest. „Wir haben dir Früh-“ Da unterbrach ihn Ayato, der wohl einfach nicht die Geduld hatte, den langsam sprechenden Azusa ausreden zu lassen. „Wir haben Frühstück hergeholt. Iss und dann können wir uns endlich Wichtigerem zuwenden.“

Was er mit 'Wichtigerem' meinte, ahntest du schon. Dein Blut, was sonst. Immerhin stecktest du ja erst seinetwegen in dieser Aufpasser-Misere und er wiederum musste damit rechnen, keinen einzigen Tropfen mehr von deinem Blut zu sehen. Wenn er glaubte, sich irgendwie einschleimen zu können, dann irrte er sich mächtig. Immerhin hatte dieses Großmaul sich noch immer nicht bei dir entschuldigt und das wäre ja wohl das Mindeste gewesen. Aber nein. Dafür war sich 'seine Wenigkeit' vermutlich zu fein. Dafür fühlte er sich zu wichtig. Diese Gedanken allein hätten genügt, um dir die Galle überlaufen zu lassen, doch in Kombination mit dem Traum vergangener Nacht wurde dir eher übel und flau im Magen.

Dennoch griffst du zum Tablett und schenktest Azusa ein dankbares Lächeln. Ja, nur Azusa. Ayato, nahmst du dir vor, würdest du erst einmal kräftig ignorieren. Genüsslich verspeistest du das Brötchen und ließt dir dabei sogar noch extra Zeit, nur um Ayato ein wenig zu ärgern.


Den Nachmittag über verbrachtest du allein im Bad, denn nur da hattest du deine Ruhe. Warum du die brauchtest? Um dir Blut abzunehmen – was nicht gerade zu den Dingen gehörte, die du irgendwie professionell konntest. Allein, dich zu schneiden hatte dich bestimmt eine gute Stunde Zeit gekostet. Nicht, weil du kein scharfes Messer gehabt hättest, sondern weil du dich einfach nicht so ohne weiteres hattest überwinden können.

Ob Ayato und Azusa, die vor der Tür standen, ahnten, was du hier drin tatest, wusstest du nicht und es war im Grunde wohl auch egal.

Was im Laden noch nach einer guten Idee aussah, hatte sich in der Praxis als gar nicht so einfach herausgestellt. Im Nachhinein betrachtet war es sogar eine ziemlich blöde Idee gewesen, doch wie sagte eine Freundin von dir so schön: Konsequenz heißt auch Holzwege zu ende zu gehen. Und diesen würdest du dann wohl zu ende gehen. Dennoch war es eine Heidenarbeit – mehr nervlich als körperlich und auslaugend war es obendrein.


Du für deinen Teil warst heilfroh, als du in jede der kleinen gläsernen Phiolen, die als Kettenanhänger fungierten, einige Tropfen Blut hinein bekommen hattest und sie zuschrauben konntest. Zumindest, überlegtest du erleichtert, hattest du gleich für alle Vampire ein passendes Geschenk und keiner müsste meckern, benachteiligt worden zu sein, auch wenn du ernsthaft darüber nachdachtest, einen gewissen rothaarigen Vampir eindeutig zu benachteiligen, indem du ihn einfach gar nicht beschenktest. Schließlich warst du ja nicht verpflichtet. Und Grund genug, wütend auf ihn zu sein, hattest du ja auch.

Zwar hattest du für ihn auch eine Phiole gefüllt, doch ob du sie ihm am Ende geben würdest, wusstest du noch nicht. Das würdest du dir einfach noch einmal bis zu deiner Abreise übermorgen durch den Kopf gehen lassen. Vermutlich bekäme er sie nicht. Immerhin hatte 'seine Wenigkeit' sich immer noch nicht entschuldigt.

Grimmig wickeltest du jeden der kleinen Anhänger in buntes Geschenkpapier, das du vorsorglich auch mit ins Bad gebracht hattest. Solange du nicht wolltest, dass einer der Beschenkten es vorher sah, war das Bad nun einmal deine einzige Möglichkeit, denn nirgends anders ließ man dich hier im Hause noch allein. Immer folgten dir deine Aufpasser und auch wenn es im ersten Moment beinahe amüsant geklungen hatte, dass dir immer zwei Vampire als Beschützer folgten, fandest du es doch längst ziemlich lästig. Privatsphäre war plötzlich etwas ziemlich tares geworden.


Nachdem du fertig warst und deinen kleinen Schnitt ordentlich mit einem Pflaster abgeklebt hattest, räumtest du das Bad. Ayato sah dich aus verengten Augen an, als du die Tür öffnetest. „Hat ja ziemlich lange gedauert, Chichinashi“, zischte er genervt.

Blödmann! „Na und?“, gabst du zickig zurück. „Ich habe dich nicht gebeten, mir zu folgen. Meinetwegen kannst du damit gerne aufhören.“ Du konntest ihm ansehen, dass er erst auffahren wollte, es sich dann aber doch verkniff und es bei einem unfreundlichen Brummen beließ, während Azusa und er dir zurück in dein Zimmer folgten, wo du die kleinen Päckchen in deinem Koffer verstautest. Dort wären sie bis übermorgen sicher. Ayatos Blick sprach Bände, während er dich dabei beobachtete. „Meine Wenigkeit hätte viel lieber dich mit einer Schleife drum als Geschenk, Chichinashi“, ließ er dich wissen und grinste herausfordernd. Wie gerne hättest du ihm einfach mal eine rein gehauen, doch das hätte ihn wohl leider kaum gekratzt.

'Deine Wenigkeit' bekommt gar nichts, Ayato. Ich beschenke nur Freunde“, betontest du bewusst und sahst demonstrativ zu Azusa, den deine Worte wohl verunsichert hatten, denn er sah mit einer Mischung aus schlechtem Gewissen und beinahe so etwas wie Angst zu dir hinüber. Deine Worten taten dir schon fast leid, denn Azusa hattest du ja gar nicht herunterputzen wollen.


Wir sind Freunde, Azusa“, beruhigtest du ihn eilig und tratst an den dunkelhaarigen Vampir heran, dessen Miene sich sofort aufhellte. Er sprach leise, als er erwiderte: „Ich wusste, wir sind uns sehr ähnlich.“ Im ersten Moment verstandest du nicht, was er meinte, doch als er deinen Arm griff, genau dort, wo du dich geschnitten hattest, wurde dir klar, dass die Vampire vor der Badezimmertür wohl etwas gerochen haben mussten.

So ist das nicht, Azusa“, beeiltest du dich klarzustellen. „Es ist nur... du wirst es sehen, ja?“ Er wirkte verwirrt, aber nickte. Wie solltest du ihm das jetzt auch erklären ohne zu verraten, warum du das getan hattest? Die gleichen Gründe wie er sie hatte, waren es in jedem Falle nicht, denn du könntest dir das sicher nicht noch einmal antun. Keine Chance.


Den Rest des Nachmittags verbrachtet ihr alle drei in der Küche. Azusa und du, weil ihr ein paar Kekse backen wolltet und Ayato, weil er schlimmer an dir klebte als einer dieser Fliegenfänger. Überall hin folgte dir der Rothaarige und sah dir beim Backen über die Schulter. Er versuchte sogar, schon vor dem Backen selbst vom fertigen Teig zu naschen. Als er die Finger ausstreckte, schlugst du ihm kurzerhand auf diese. Dieser Kerl war echt schlimmer als eine Furunkel am Arsch.

Alles in allem jedoch gelang es Azusa und dir mehrere Bleche zu füllen und bald zog ein süßlicher Keksduft durch das Haus und kündigte das nahende Weihnachtsfest an.

Mit den frisch gebackenen Plätzchen zogt ihr dann ins Wohnzimmer, in dem sich der übliche Anblick bot. Dennoch griff schlussendlich selbst der schläfrige Shu nach einem Keks und gab sogar leise kund, er schmecke gut. Sogar Ruki sprach ein offenes Lob aus und du konntest förmlich sehen, wie Azusa heute aufblühte.


Während du auf dem Keks herumkautest, gingst du deinen Traum noch einmal durch und hofftest, dass dadurch zumindest dieses flaue Angstgefühl, das er in dir auslöste, verschwinden würde. Es hatte alles ganz normal begonnen. Also normale für einen Traum, sofern man das also als normal bezeichnen konnte.

Du hattest auf einer Lichtung gestanden und direkt neben dir war ein Baum gewesen. Ein großer, grüner Baum. An den Wald oder die Lichtung rund um dich konntest du dich zwar erinnern, doch nicht im Detail. Wichtig war der Baum in der Mitte gewesen. Ein Apfelbaum, der viele rote Früchte trug. Eine hing sogar direkt auf Augenhöhe.

Bis dahin war der Traum in Ordnung gewesen. Ein wenig schräg, ein wenig sinnbefreit, aber harmlos. Nichts, worüber du dir Sorgen gemacht hättest. Du, ein Baum, ein Apfel. Alles gut. Aber dann... dann hatte sich einiges verändert.

Zwar konntest du dich nicht bewusst daran erinnern, ob die Sonne geschienen hatte, doch mit einem Male war es dunkler geworden und kälter. Ein Wind war aufgekommen und hatte dir das Haar zerzaust. Die Blätter des Baumes hatten leise geraschelt und gerauscht, als der Wind durch die Baumkrone fuhr. Du hattest erst zu dem Baum aufgesehen, doch dann von ihm weg, zielgenau in eine Richtung, als hättest du instinktiv gewusst, wohin du schauen musstet.


Dummerweise konntest du nicht mehr genau sagen, wer 'er' gewesen war, doch du wurdest das Gefühl nicht los, dass es einer der Vampire gewesen war. Vielleicht lag es an dem roten Apfel, den du in deinem Traum in den Händen gehalten hattest, aber dir schwante, dass 'er' einer der beiden rothaarigen Vampire gewesen war, auch wenn du dir nicht sicher warst. Von Ayato zumindest wolltest du lieber nicht träumen und auch wenn du dich mit Laito versöhnt hattest, wäre es dir doch lieber, wenn auch dieser sich aus deinen Träumen fernhielte.

Und dann war da noch diese flüsternde Stimme, die von dem Baum auszugehen schien. 'Eve' hatte sie geflüstert und du hattest dich umgesehen, um nach dieser Eve zu schauen, doch außer dir war niemand da gewesen, bis 'er' dazukam. Eve. Du kanntest keine Eve und unangenehmerweise glaubtest du, dass dieser Baum dich damit gemeint hatte.


Normalerweise warst du nicht religiös. Gar nicht. Nicht einmal ein bisschen. Weihnachten hatte für dich zwar etwas mit Familie zu tun, doch der christliche Gedanke dahinter war dir ziemlich egal. Warum also solltest du von einer so religiösen Sache wie Eve/Eva und dem Baum der Erkenntnis träumen? Außerdem... hatte in der Geschichte nicht eine Schlange gesagt, Eve solle den Apfel essen, die an dem Baum der Erkenntnis gewachsen war, obwohl Gott es verboten hatte? Eine Sünde, als verspeise man seine eigene Mutter, hatte es geheißen.

Es machte einfach keinen Sinn. Du warst dir ziemlich sicher, dass du diese Geschichte nicht nur nicht glaubtest, weil du von der Evolutionstheorie überzeugt warst, sondern, dass sie mit dir auch nicht das Geringste zu tun hatte.

Wäre dir dieser Traum nicht so erschreckend gut in Erinnerung geblieben, dann hättest du wohl keinen weiteren Gedanken daran verschwendet, doch so ging er dir einfach nicht aus dem Kopf.


Chi-chi-na-shi“, zischte es in dein Ohr und du erschrecktest. „Tch, hat wieder geträumt, wie meine Wenigkeit gesagt hat.“ Ayato saß direkt neben dir und starrte dich missmutig an. „Wir haben alle Hunger, also mach schnell und nenn den Namen meiner Wenigkeit.“ Du glaubtest, nicht richtig zu hören. Was ging in Ayato eigentlich immer vor? Es war dir absolut schleierhaft, aber wenn der wirklich glaubte, du würdest dich von ihm beißen lassen, dann brauchte er dringend eine Therapie!

Ich wähle Azusa“, teiltest du ihm ins Gesicht mit. Friss das, Baka! Da hast du jetzt von deinem Gedrängel!

Während alle anderen das einfach hinnahmen und Azusa dich dankbar anlächelte, dass dir sogar ein wenig warm ums Herz wurde, zischte Ayato nur verärgert und wandte sich von dir ab. Sollte er doch, ärgertest du dich über sein Verhalten und entschiedst, dass dieser Kerl ganz sicher kein Weihnachtsgeschenk bekommen würde. Zumindest nicht von dir.

Dass Azusa dich als einziger bisher ganz schamlos vor den Augen der anderen Vampire biss, ging in deinen Gedanken sogar völlig unter, so sehr ärgertest du dich über 'seine Wenigkeit' und dessen gigantisches Ego. Zumindest, tröstetest du dich, war deine Zeit hier bald vorbei.

17.2.16 09:41
 
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